Musik und Dichtkunst


Nicht mehr, ihr Mädchen, die ihr so erregend und süß euer Lied singt,
Wollen die Füße mich tragen. O dass ich ein Eisvogel wäre,
Der überm Schaum der sich wälzenden See auf den Schwingen der Weibchen
Furchtlosen Herzens sich wiegt, der geheiligte, meerdunkle Vogel!

Alkman: Fragment 26 (Page)


Sparta galt den antiken Zeitgenossen bis ins vierte Jahrhundert hinein als „Stadt der lieblichen Chöre“. Das mag nicht recht zur Vorstellung des rein auf den Krieg ausgerichteten Staats passen, in dem man als einzigen Gesang das rauhe Brüllen des Heeres erwarten sollte. Stattdessen gab es in Sparta auch Ausländern zugängliche Feste wie die gymnopaidai und die hyakinthia, bei denen Chöre der Frauen und Jugendlichen auftraten und bei denen insbesondere die Chöre der Mädchen und jungen Frauen Bewunderung fanden.

Aus Sparta sind nicht nur die Namen, sondern auch Fragmente der Werke einiger wichtiger und berühmter Musiker und Dichter bekannt, die entweder dort ihr Hauptwerk schufen oder sogar von dort stammten. Drei sollen hier Erwähnung finden: Terpandros, Tyrtaios und Alkman.

Terpandros
lebte im 7. Jahrhundert. Er stammte vermutlich aus Lesbos, also Ionien und wirkte in Sparta. Seine stilbildende Leistung basiert vor allem auf technischen Reformen, wie einer neuen Harmonielehre mit der dazu passenden Konstruktion von Instrumenten.

Tyrtaios
wirkte in der Mitte des 7. Jahrhunderts. Er war Dorier und stammte aus Lakedaimon selbst oder von der Insel Melos. Seine Leistung besteht weniger in der Stilbildung als vielmehr in der Dichtung von Zweckmusik, Elegien, die die spartanischen Truppen im 2. Messenischen Krieg unmittelbar, d.h. bei der Schlachtvorbereitung unterstützen sollten und entsprechend motivierend und pathetisch ausgelegt sind. Sie wurden zu den Klängen der Doppelflöte aulos beim Marsch gesungen.
Er besingt auch die Gute Ordnung eunomia, die Sparta neuerdings habe. Sie umfasst in Grundzügen das, was später als lykurgische Rhetra galt. Er bezieht sich dabei auf ein Orakel von Delphi, das damit wohl eine entsprechende spartanische Vorlage abgesegnet hat.

Alkman
lebte in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts in Sparta. Er stammte vermutlich aus Sardes oder Ionien in Kleinasien, vielleicht aber auch aus Mesoa in Sparta selbst und war stilbildender Chorlyriker. Seine Leistung besteht in der Erfindung oder Ausprägung des Strophe-Gegenstrophe-Gefüges und des Abgesangs in der Chorlyrik. Seine Chöre (vor allem für Jugendliche, insbesondere Mädchen) wurden zur Lyra gesungen.
Er war möglicherweise unmittelbarer Zeitgenosse von Tyrtaios, zu dem der Kontrast gar nicht größer sein könnte.


Bekannt?

Nun ruhen der Berge Gipfel und Schluchten,
Die Matten, die Täler der Flüsse,
Alles Gewürm, das die dunkle Erde ernährt,
Das Wild im Wald am Gebirg und die Völker der Bienen,
Die Ungetüme am Grunde des purpurnen Meeres;
Nun ruhen die Schwärme der schmalgefiederten Vögel.

Alkman: Fragment 89 (Übersetzung: H. Rüdiger)

Bekannt? Zum Vergleich ein Gassenhauer Goethes: „Wandrers Nachtlied“

Über allen Gipfeln ist Ruh,
In allen Wipfeln spürest du
kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde ruhest auch du.

… schon ähnlich, oder?

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