Sphakteria 425


Spartas Schwäche gegen verbundene Streitkräfte (1)

Hoplit im Pfeilregen (Quelle: Wikipedia)
Hoplit im Pfeilregen (Quelle: Wikipedia)

Eine athenische Flotte, die auf ihrem Weg zum nördlichen Kriegsschauplatz bei Korkyra wegen Sturms auf der Ostseite Messeniens bei dem Felsen Pylos (auf spartanisch Koryphasion) warten musste, befestigte diesen. Die Überlegung war, dass damit Messenier zur Flucht von den Feldern der Spartaner verlockt würden, die den Stützpunkt dann auch besetzt halten und Raubzüge ins messenische Spartiatenland unternehmen könnten. Die Flotte zog dann weiter und nur wenige athenische Schiffe und Truppen blieben zurück. Die Spartaner eilten mit ihrem ganzen Aufgebot und Verbündeten, inklusive der Truppe, die in Attika eingefallen war, heran. Diodoros‘ Schätzung von 12000 Mann muss nicht zu falsch sein. Auch die peloponnesische Flotte wurde von Korkyra herbefohlen.

Die Spartaner griffen zugleich über die schmale Landbrücke und mit Schiffen, die Truppen ausluden, an. Die Angriffe dauerten eineinhalb Tage an, brachten aber keinen Erfolg. Bei dem Versuch, den Felsen komplett abzuriegeln, sollten u.a. die Einfahrten in die angrenzende Bucht durch Schiffe blockiert werden. 420 Hopliten unterbanden auf der der Bucht vorgelagerten Insel Sphakteria Landungen der Athener und unterstützten die eigenen Schiffe . Die Spartaner ließen dann zunächst von den Angriffen ab, um Belagerungsmaterial zu holen. Derweil kam die benachrichtigte athenische Flotte aus dem Norden zurück, brach überraschend in die Bucht ein und schlug die peloponnesische Flotte in die Flucht. Damit war das spartanische Hoplitenkontingent auf der Insel Sphakteria abgeschnitten.

Die vor Ort anwesenden spartanischen Behördenvertreter schlossen sofort einen Waffenstillstand mit den athenischen Truppen, um die Vollbürger zu retten. Vor Ort gaben sie dafür alle spartanischen Schiffe als Sicherheit und schickten eine Gesandtschaft nach Athen, derweil keine Seite die andere angreifen und die Athener die Versorgung der Spartaner auf der Insel mit Lebensmitteln gestatten sollten. Doch in Athen wurden völlig überzogene Forderungen aufgestellt, die die Spartaner nicht annahmen.

Der vereinbarte Waffenstillstand endete, aber keine Seite wagte es, den Kampf zu beginnen. Es stellte sich heraus, dass die Spartaner ihre Truppe in gewissem Maße zu verpflegen verstanden, andererseits litten die Athener auf Pylos an Wassermangel, sodass die Lage für die Spartaner auf dem kleinen nicht so hoffnungslos war, wie es zu Beginn schien.

Das Patt wurde beendet, als eine athenische Verstärkungstruppe mit Hopliten aus Lemnos und Imbros, mit Peltasten und Bogenschützen unter dem neuen Feldherrn Kleon ankam. Er bot den Spartanern nochmals die Übergabe an, wurde zurückgewiesen, bereitete einen Tag vor und griff dann an. Die Spartaner hatten nicht die Möglichkeit, die gesamte Inselküste zu besetzen, so lag ihre Haupttruppe in der Mitte der Insel und auf dem nördlichen und südlichen Felsen je eine Gruppe von 30 Mann (wohl jeweils eine Enomotie) als Wache. Die Athener überwältigten bei Nacht den südlichen dieser Posten und landeten zunächst 800 Hopliten, dann ihre restlichen Truppen, alles in allem wohl an die 10000 Mann, vor allem Leichtbewaffnete.

Als die Spartaner die feindlichen Truppen bemerkten, marschierten sie sofort gegen die Hopliten und griffen sie an. Sie berücksichtigten dabei die Peltasten gar nicht, da sie davon ausgingen, dass diese (wie üblich) nicht kampfentscheidend sein könnten. Die athenischen Hopliten ihrerseits blieben in Aufstellung am Ort und marschierten nicht. Stattdessen gingen die Leichtbewaffneten auf der Flanke und von hinten auf die Spartaner los und überschütteten sie mit Wurfgeschossen, wodurch diese nicht weiter vorrücken konnten, sondern sich so gut es ging hinter ihren Schilden zusammendrängten. Ihre Filzkappen hielten dem Beschuss nicht stand, die Leinenpanzer wohl auch nicht, die Geschosse kamen in Massen und konnten nicht einzeln abgewehrt werden. Die lakedaimonischen Hopliten kannten diese Art von Gefecht nicht. Sie konnten die Leichtbewaffneten nicht vertreiben, da sie und die Hopliten sich gegenseitig sicherten. Nach einiger Zeit zogen sie sich an die nördlichen Felsen der Insel zurück.

Es gab wieder eine Pattsituation: Die Spartaner erreichten die Leichtbewaffneten nicht, diese konnten ihrerseits die Spartaner nicht überwältigen und die athenischen Hopliten gingen nicht auf einen Nahkampf ein. Schließlich fanden Leichtbewaffnete auf die Höhen hinter den Spartanern hinauf und diese wurden wieder in die Zange genommen. Da Kleon sie lebendig haben wollte, schlug er ihnen erneut vor, aufzugeben. Die Spartaner tauschten sich mit ihren Behörden auf dem Festland aus und als sie freie Hand bekamen, gab der spartanische Führer (Feldherr und Stellvertreter waren gefallen bzw. schwer verwundet) auf.

Die Gefangenen wurden als Geiseln nach Athen gebracht und die Athener drohten, sie zu töten, falls die Spartaner wieder in Attika einfielen. Diese unterließen denn auch ihre Einfälle und wandten sich einer ihnen bislang unbekannten, aber höchst erfolgreichen Strategie zu: Sie griffen die Athener an der Peripherie ihres Machtbereichs (auf der Chalkidike) an und sandten dazu eine Truppe aus Söldnern und Heloten. Pylos aber blieb jahrelang ein Pfahl in ihrem Fleisch. Die Rechnung der Athener ging auf und viele Heloten flohen hierher und beunruhigten ganz Messenien.

Die Spartaner verloren auf Sphakteria gegen Leichtbewaffnete, die durch eine große Zahl von Hopliten gedeckt waren und so die Ausfälle der Spartaner eindämmten. Auch die Hopliten konnten die Spartaner nicht schlagen, da sie, sobald sie sich in Bewegung setzten, von den Leichtbewaffneten so mit Wurfgeschossen überhäuft wurden, dass sie wieder stehen bleiben mussten. Ob Kleon mit seiner Taktik aus der empfindlichen Niederlage, die die Athener kurz zuvor gegen aitolische Leichtbewaffnete erlitten hatten gelernt hatte, ist nicht zu rekonstruieren, aber wahrscheinlich. Von den 420 spartanischen Hopliten waren 128 gefallen. Von den 292 Gefangenen waren 192 Spartiaten. Die Spartaner taten, als sie sich ergaben, was anscheinend niemand vermutet hatte. Der Ruf, dass sie das niemals tun würden – Erbe der Thermopylai – , war damit verloren, ein Teil des spartanischen Mythos dahin.

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