Die Schlacht, der Abzug und die Heimkehr


Hoplitenkampf, attische Lekythos, Mitte des 5. Jahrhunderts (Quelle: Wikipedia)
Hoplitenkampf, attische Lekythos, Mitte des 5. Jahrhunderts (Quelle: Wikipedia)

Stellte sich der Gegner, liefen die endlos geübten Muster spartanischer Formationsmanöver und bürgerlicher Gesinnung ab. Noch kurz vor dem Zusammenstoß brachte der spartanische König ein Ziegenopfer für die Jägerin Artemis Agrotera dar, dann krachten die Phalangen im Othismos aufeinander, woraufhin der Gegner im Regelfall spätestens nach einigen Minuten Nahkampf Fersengeld gab. Nun konnte der fliehende Feind relativ einfach niedergemacht werden. Leichtbewaffnete, Reiter und Bundesgenossen jagten dem fliehenden Gegner nach und erschlugen, wessen sie habhaft werden konnten. Das war der Zeitpunkt, an dem das Bürgerheer anhielt und die Formation wieder ordnete. Es gab sich aber nicht die Blöße, die Reihen zu lockern und auf mögliche Finten des Gegners hereinzufallen. Die erreichte Position wurde gesichert, das Feld begangen. Dabei wurden noch lebende Feinde getötet und eigene Verwundete gesucht.

Man marschierte in geschlossener Formation dem Gemetzel der Bündner hinterher und zog sich der Gegner in die Stadt zurück, hielt man an und kehrte zum Schlachtfeld zurück. Dort wurde die Beute eingesammelt, wohl durch die Heloten. Man nahm Waffen und andere Wertgegenstände auf. Wurde ein Feldlager des Gegners erobert, fiel die Beute ungleich höher aus, da dann häufig die Kriegskasse erbeutet wurde und man Geiseln machte, die dem geschlagenen Feind wichtig waren, wie Familienangehörige, für die dann Lösegeld genommen werden konnte.

In dieser Phase nach der Schlacht, in der auch die Wunden verbunden wurden und die Männer das Grauen des Gesehenen und Getanen überwinden mussten, konnten bereits Boten nach Hause geschickt werden. Man wartete auch auf die Gesandten des Gegners, die einen Waffenstillstand erbaten, um ihre Toten zu bergen, was ein Eingeständnis der Niederlage war. Ebenso wurde ein Siegeszeichen erreichtet – zumeist aus Waffenteilen, die dem Gegner abgenommen worden waren. Später wurde gelegentlich dieses Zeichen durch ein anderes, unvergänglicheres ersetzt, das aus dem Erlös der Beute finanziert wurde.

Der König brachte ein Dankopfer dar. Die Beute wurde zusammengetragen und verteilt. Zunächst wurde ein Zehntel für den Gott abgeschieden. Damit wurden in Heiligtümern, bevorzugt in Delphi, Sieges- oder Dankesmale errichtet. Der Feldherr erhielt einen besonderen Anteil und es wurden bevorzugte Anteile für herausragende Leistungen wie Tapferkeit und Klugheit vergeben. Der Rest wurde an alle aufgeteilt, man erhielt „wie jeder es verdiente“ (Herodot). Kurz nach der Schlacht dürften die ersten Aufkäufer erschienen sein, dem Vernehmen nach vornehmlich Ägineten, aber wohl auch Vertreter aus anderen handeltreibenden Poleis, um die Beute aus Waffen, wertvollen Gebrauchsgegenständen und Beute aus den Streifzügen und aus dem Lager des Feindes, anzukaufen. Natürlich dürften auch einige Gegenstände wie sie waren mitgenommen worden sein, so ein besonders gutes Schwert, ein stolzer Helm oder auch ein schöner Jüngling.

Die eigenen Toten wurden gesammelt und in ihre Mäntel gehüllt. Sie wurden, da man kaum Mittel der Konservierung kannte bzw. zur Verfügung hatte, vor Ort bestattet, gewöhnlich in einem Gemeinschaftsgrab. Mit den Gesandten des geschlagenen Gegners wurde, evtl. unter weiteren Zwangsmaßnahmen wie Einschließen der Stadt oder weiterem Verwüsten der Felder, geklärt, welche Konsequenzen der Ausgang der Schlacht hatte, also wurde z.B. eine unliebsame Regierung abgesetzt, Verbannte durften in die Stadt zurückkehren oder Territorien wurden abgegeben.

Zumeist wurde dann nach ein paar Tagen Ruhe, vielleicht vor Ort und vom Gegner versorgt oder auch schon auf dem Nachhauseweg, der Heimweg angetreten. Nach den Vorstellungen des agonalen Prinzips war ja nun alles geregelt. Zwangsmaßnahmen wie längerfristige Besetzungen oder umfangreiche Reparationszahlungen waren noch ungeläufig.

Bis zum Isthmos marschierten die Truppen gemeinsam. Häufig dürfte jetzt Nachschub und Karren für die Verwundeten entgegengekommen sein. Auf der Landenge wurden die Truppen der Bundesgenossen entlassen. Die Xenagoi dürften noch mitmarschiert sein bis in die jeweilige Heimatstadt, vielleicht als Boten oder Gesandte des Königs, dann kamen sie nach Sparta zurück. Die Perioiken wurden entlassen, wo innerhalb Lakedaimons das zweckmäßig erschien.

In die Stadt zogen die Truppen bekränzt ein, die Waffen der Gefallenen wurden mitgetragen, als ob sie noch lebten. Witwen, Mütter und Väter der Gefallenen waren angehalten, Stolz zur Schau zu tragen und mögliche Trauer und Schmerz nicht öffentlich zu erleiden. In der anschließenden Feier wurde der Feldherr gelobt, die Preise für Tapferkeit usw. verkündet. Es gab eine Totenfeier und weitere religiöse Akte wie Opfer und Gesänge. Später dann wurde über den Ausgang des Unternehmens beraten, der Heerführer musste sich rechtfertigen für sein Verhalten und seine Entscheidungen und Feiglinge wurden gemeldet – sie hatten strenge Sanktionen zu befürchten.

Am nächsten Tag ging alles wieder seinen Gang: Die Männer und Jünglinge trainierten, die Frauen versahen die Wirtschaft und die Behörden kümmerten sich um Ordnung und Politik.

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